Am rauschenden Bach
In Österreich stehen bundesweit mehr als 4.000 Kleinwasserkraftwerke. Sie gelten als wichtiger Faktor für die Stromproduktion des Landes, für die nachhaltige Transformation des Energiesystems und als Treiber der regionalen Wirtschaft.
Ganz so romantisch wie einst im Kinderlied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ besungen, stellt sich die Lage der Kleinwasserkraftwerke in Österreich heute nicht mehr dar. Zum einen summen oder brummen Wasserkraftanlagen in der Gegenwart eher, als dass sie klappern. Zum anderen sehen sich die Betreiberinnen und Betreiber mit wirtschaftlichen und gesetzlichen Herausforderungen konfrontiert.
Rund sieben Terawattstunden speisen die mehr als 4.000 Kleinwasserkraftanlagen in Österreich in das Netz ein. Kleinwasserkraftwerke tragen rund zehn Prozent zur österreichischen Stromproduktion bei und könnten rein rechnerisch die Hälfte aller Haushalte des Landes mit Strom versorgen. Zudem tragen sie zur Versorgungssicherheit und zur Energieautarkie Österreichs bei.
Kleinwasserkraftwerke werden in Österreich seit Generationen zur Stromproduktion genutzt. Viele dieser Kraftwerke sind direkt mit einem Gewerbe- oder Industrieobjekt verbunden und werden von Unternehmen, aber auch von Gemeinden betrieben. Mühlen oder Sensenschmieden zählten in früheren Zeiten zu den klassischen Betrieben, die ihren Energiebedarf mittels eigener Wasserkraftwerke deckten. Aktuell ist vor allem die Papier-, Metall- und Chemieindustrie stark in diesem Segment vertreten. Namhafte Unternehmen wie voestalpine, die Heinzel Group oder Riess Emaille betreiben eigene Wasserkraftwerke. Die Kombination aus regionaler Energieproduktion und industrieller Nutzung gilt seit mehr als einem Jahrhundert als Erfolgsmodell.
Auch heute noch genießen die Anlagen einen hohen Stellenwert als sichere, dezentrale Versorgung sowie durch die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen beim Bau, bei der Erweiterung und der Revitalisierung von Anlagen für die Regionalwirtschaft.
Denn viele Kraftwerke sind deutlich in die Jahre gekommen und bedürfen dringender Erneuerungen. Die voestalpine Wire Austria revitalisierte beispielsweise 2024 eine knapp 100 Jahre alte Wehranlage, um die Eigenversorgung mit Energie auszubauen.
Doch für wirtschaftlich weniger potente Betreiber kann die Sanierung eines alten Wasserkraftwerks ein kaum zu stemmendes Investment bedeuten. Sie sehen sich mitunter von der Politik im Stich gelassen. Kritisiert werden nicht nur Energieverordnungen, die es schwer machen, ihre Anlagen wirtschaftlich sinnvoll zu führen, sondern auch das Hin und Her bei den Preisen.
„Wenn die Politik billigeren Strom möchte, muss sie mehr Angebot ermöglichen, also den Ausbau und die Revitalisierung der Wasserkraft fördern – statt durch Europas höchste Netzgebühren Stromimporte zu begünstigen“, kritisiert Hannes Taubinger, geschäftsführender Gesellschafter der Anton Kittel Mühle Plaika Gruppe und seit Oktober 2025 neuer Präsident des Interessenverbandes Kleinwasserkraft Österreich.
Verbands-Geschäftsführer Paul Ablinger ergänzt: „Leistbare Strompreise für Industrie, Gewerbe und Haushalte erreicht man nicht durch zusätzliche Belastung der Erzeugung. Wichtig wären langfristige, stabile Rahmenbedingungen – nur so sind Investor:innen bereit, sich auf die Risiken einzulassen. Damit könnte dann ein echtes Wachstumsprogramm ausgelöst werden.“