Die Wohlstandsgesellschaft spart bei den Jüngsten
Eine satte Milliarde Euro beträgt mittlerweile der Investitionsstau der österreichischen Kommunen. Sanierungsund Modernisierungsstau trifft es exakter. Denn landauf, landab schrumpfen die Budgets, fehlt es an Geld, um längst geplante Vorhaben und akut drängende Anliegen umzusetzen. Es sind keine Luxusprojekte, die da auf der Strecke bleiben, betont Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. Gespart wird an der Basis. An der Infrastruktur. „Wenn Straßen, Wasserleitungen, Schulgebäude, Kindergärten oder Feuerwehrprojekte verschoben werden müssen, dann geht das nicht lange gut. Erneuerungsinvestitionen können nicht ewig hinausgeschoben werden, ohne die Infrastruktur langfristig zu schädigen“, formuliert Pressl.
Eines der fehlenden Mosaiksteinchen im langsam zerbröckelnden Idealbild lieblicher Landschaften und herausgeputzter Ortskerne findet sich im Marktflecken Dobersberg. In der Waldviertler 1.500-Seelen-Gemeinde muss die dringend erforderliche nachhaltige Generalsanierung der Kindergartenterrasse verschoben werden. Weil 50.000 Euro fehlen. Stattdessen wird die marode Holzkonstruktion nur notdürftig ausgebessert. Jahr für Jahr.
DER POLITISCHE AUFTRAG KOSTET AUCH GELD.
Der Österreichische Gemeindebund hatte die gestrichene Sanierung im Dobersberger Kindergarten bei einem Pressegespräch Mitte Mai dieses Jahres als eines von fünf Beispielen präsentiert, wo geplante Vorhaben dem klammen Gemeindesäckel zum Opfer fallen. Lambert Handl, ÖVP-Bürgermeister von Dobersberg, machte seine Not bei dem Pressetermin öffentlich: „Wir haben den politischen Auftrag zum Ausbau der Nachmittagsbetreuung erfüllt, dadurch wird unser Kindergarten stärker genutzt. Gleichzeitig gibt es einen behördlichen Verbesserungsauftrag für schadhafte Stellen im Terrassenbereich.“ Der Ortschef aus dem Bezirk Waidhofen/Thaya klagt sein Leid auch per Video auf Facebook: „Wir bessern laufend aus, aber eine dauerhafte Sanierung statt jährlicher Reparaturen ist derzeit finanziell nicht darstellbar.
Wer Gemeinden zusätzliche Betreuungsleistungen überträgt, muss auch die notwendige Infrastruktur mitfinanzieren.“ Im ganzen Land gibt es laut Statistik Austria rund 4.700 Kindergärten, in denen knapp 240.000 Kinder betreut werden. Dazu gesellen sich 2.820 Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen, an die 850 Horte und etwas mehr als 1.500 altersgemischte Einrichtungen. Während die Anzahl der Krippen und Institutionen für die Betreuung von Kleinkindern im Fünfjahresvergleich 2019/20 zu 2024/25 mit einem Plus von 22,1 Prozent massiv zugenommen hat, blieb die Zahl der Kindergärten – plus 2,8 Prozent – annähernd stabil.
Österreich weist speziell bei der Betreuung der Ein- bis Dreijährigen einen dringenden Aufhol- und Ausbaubedarf auf. Obwohl die Elementarpädagogik in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut wurde und ihr aktuell bevorzugt das Augenmerk gilt. Trotz der Investitionsbremse rollt auf das gesamte Feld eine gewaltige Welle an Aufgaben und Anforderungen zu. Während mittlerweile beinahe jedes Kind im Vorschulalter einen Kindergarten besucht – bei den 5-Jährigen sind es aktuell 97,9 Prozent –, liegt die Betreuungsquote der unter Dreijährigen bundesweit gerade einmal bei knapp 35 Prozent. Zudem zeigen sich zwischen den einzelnen Bundesländern enorme Unterschiede. Die Bandbreite reicht von 23 Prozent in der Steiermark bis zu 46,4 Prozent in Wien. Über dem Österreich-Schnitt lagen 2024/25 neben der Bundeshauptstadt nur Kärnten (35,3 %), Vorarlberg (37,1 %), Niederösterreich (38,6 %) und das Burgenland (44,1 %).

DOPPELBUDGET: DER EURO ROLLT
Die türkis-grüne Regierung rief im Herbst 2023 die „Qualitätsoffensive Elementarpädagogik“ aus, die aktuelle Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS beschloss heuer ein zweites verpflichtendes (Gratis-)Kindergartenjahr, das ab September 2027 gelten soll. Zudem wurden mit dem am 10. Juni von Finanzminister Markus Materbauer (SPÖ) präsentierten Doppelbudget für 2027 und 2028 zusätzliche „Offensivmittel“ von 340 Millionen Euro für die Elementarpädagogik und Schuleinrichtungen angekündigt. Rund eine Milliarde Euro zusätzlich fließt in den kommenden fünf Jahren in die Elementarpädagogik.
Die Republik gibt jährlich rund vier Milliarden Euro für Krabbelstuben, Kleinkinderkrippen und Kindergärten aus. Doch den Löwenanteil an der Finanzierung der Elementarpädagogik müssen die Kommunen schultern. Die Ausgaben variieren von Bundesland zu Bundesland stark. In der Steiermark wurden in den vergangenen zwei Jahren beispielsweise rund 26 Millionen Euro allein für die Betreuung der unter 3-Jährigen ausgegeben, wobei 5,5 Millionen der Bund, 2,1 Millionen das Land und 18,4 Millionen Euro die Gemeinden aufbringen mussten. Die Kommunen zeichnen weitgehend für den Bau, die Erhaltung und den Betrieb sowie mögliche Sanierungsmaßnahmen der Betreuungseinrichtungen verantwortlich. „Der bisherige Ausbau der Kinderbetreuungsplätze ist nur gelungen, weil die Städte und Gemeinden tief in die Tasche gegriffen haben.

Insgesamt hat sich der Zuschussbedarf der Gemeinden von 2007 bis 2022 verdreifacht, dies ist ein durchschnittlicher jährlicher Anstieg von 7,7 Prozent“, hatte das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung schon 2024 festgehalten. Das KDZ errechnete nicht nur einen „zusätzlichen Finanzierungsbedarf von sieben Milliarden Euro bis 2030“, KDZ-Expertin Karoline Mitterer ortet im „akuten Personalmangel eine massive Hürde für den weiteren Ausbau der Elementarpädagogik“. Denn neben den laufenden Kosten zählen auch noch immer fehlendes Fachpersonal, hohe Dropout-Raten unter Berufseinsteiger:innen, unterschiedliche Ausbildungswege sowie die oft als unzureichend empfundenen Löhne und die damit einhergehende geringe gesellschaftspolitische Anerkennung zu den Problemfeldern der Elementarpädagogik.
MILLIARDEN-PROJEKTE LIEGEN AUF EIS.
„Rund eine Milliarde Euro an kommunalen Investitionen wurden seit Anfang 2025 in den österreichischen Gemeinden aufgeschoben oder abgesagt. Das sind Kindergärten, Straßen, Hauptplätze, Radwegverbindungen und Begegnungsräume und vieles andere mehr. Klar ist: Wenn Gemeinden nicht investieren, fehlen der regionalen Wirtschaft dringend benötigte Aufträge“, hatte Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl schon im April dieses Jahres die Finanzlage der Kommunen beklagt. Besonders schmerzlich wird es aber dann, wenn unter dem Sparzwang die Elementarpädagogik leidet. Denn dabei geht es nicht nur um Infrastruktur aus Stahl und Beton oder das Wohlergehen der lokalen Wirtschaft, sondern schlicht um die Zukunft des ganzen Landes. In elementaren Bildungseinrichtungen wird der Grundstein für die weitere Bildungs- und Berufslaufbahn der nächsten Generationen gelegt.
„Ich bin besorgt, denn wir reden hier nicht mehr über einzelne Projekte, sondern über eine regelrechte Investitionsbremse. Mittel- und langfristig trifft das die Menschen vor Ort, kurzfristig trifft es die lokale und regionale Wirtschaft. Wenn Gemeinden nicht mehr investieren können, geraten Lebensqualität, Infrastruktur und regionale Wirtschaftskreisläufe unter Druck“, hatte Pressl schon im April gewarnt.

„WER BEIM KINDERGARTEN SPART, SPART AN DER ZUKUNFT.“, Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling
WIRTSCHAFTSKRISE KOSTET ARBEITSPLÄTZE UND KOMMUNALSTEUERN.
Er wisse nicht, „wie wir den Kindergarten ab zwei Jahren für alle umsetzen sollen“, räumte Bürgermeister Clemens Nagel (SPÖ) von Leopoldsdorf im Frühjahr 2025 ein. Die Marktgemeinde im Marchfeld führt aktuell in ihrem 2015 erweiterten und modernisierten Kindergarten fünf Gruppen. Aufgenommen werden nur Kinder, die älter als 2,5 Jahre sind. Die Schließung einer Zuckerfabrik der Agrana führte in Leopoldsdorf zu einem deutlichen Einnahmenrückgang bei der Kommunalsteuer, der Konkurs eines weiteren Unternehmens im Ort verschärfte die Situation zusätzlich. Laut einem Sitzungsprotokoll des Gemeinderates verzeichnete Leopoldsdorf 2025 deswegen ein Minus von 100.000 an Kommunalsteuer, 2026 sollen es sogar 300.000 Euro sein.
Die Investitionsbremse trifft das kommunale Leben in ihrem Herzen. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Republik bewerten laut einer aktuellen Blitzumfrage des Gemeindebundes die sich verschlechternden Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Schulen als besonders problematisch. Denn die Finanzierungsfragen rund um Elementarbildung und Kinderbetreuung sind gesellschafts- und wirtschaftspolitisch von besonderer Bedeutung, die Bandbreite des Themas für die Zukunft des Landes und des Wirtschaftsstandortes Österreich entscheidend.
„Wer beim Kindergarten spart, spart an der Zukunft. Jeder Euro, der in frühe Bildung fließt, zahlt sich mehrfach aus“, kommentierte Wiens Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) zum Doppelbudget 2027/28 des Bundes. „Elementarpädagogik ist insofern ein ganz zentraler Bereich, weil das auch für unsere künftige Arbeitskräfteverfügbarkeit ein zentraler Schlüssel ist“, sagt Kommunalforscherin Karoline Mitterer vom KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung.
DER DEMOGRAFISCHE HAMMER SCHLÄGT GNADENLOS ZU.
Die demographischen Daten sprechen eine deutliche Sprache. Laut Erwerbspersonenprognose der Statistik Austria sinkt die Zahl der Erwerbspersonen in Österreich von aktuell rund 4,78 Millionen (2024) bis 2030 auf 4,76 Millionen. Bis zum Jahr 2080 soll sie sogar auf 4,36 Millionen zurückgehen. Damit gehen der heimischen Wirtschaft allein aufgrund der demographischen Entwicklung nominell 420.000 Arbeitskräfte verloren. Bereits im März 2026 hatte AMS-Chef Johannes Kopf vor den schwerwiegenden Folgen für den österreichischen Arbeitsmarkt gewarnt: Sollte die Politik dem demografischen Wandel und anderen Gesellschaftstrends nicht rasch mit weiteren Maßnahmen begegnen, geht das AMS davon aus, dass im Jahr 2050 zirka 120.000 Arbeitskräfte fehlen werden. Angesichts dieser Prognosen fordern sowohl die Wirtschaftskammer (WKO) als auch die Industriellenvereinigung (IV) „gezielte Maßnahmen“, um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern. In der Mobilisierung der Frauen für den Vollerwerbsarbeitsmarkt steckt ein wesentliches Lösungselement für die drohende Misere. Fast die Hälfte (49,8 Prozent) aller erwerbstätigen Frauen in Österreich arbeitete im Jahr 2025 in Teilzeit, 2005 lag der Anteil bei 39,5 Prozent. Als Grund für den Anstieg nennt die Statistik Austria nicht nur das generelle Plus erwerbstätiger Frauen und das Recht auf Elternteilzeit, sondern auch die begrenzten Kinderbetreuungsangebote.
Die Arbeiterkammer hat die österreichischen Zahlen mit jenen des EU-Schnitts verglichen und festgestellt, dass der Anteil der Österreicherinnen, die wegen Betreuungspflichten Teilzeit arbeiten, mit 20,2 Prozent fast drei Mal so hoch ist wie EU-weit (7,5 Prozent). Auch bei jenen Menschen, die wegen der Betreuung von Kindern nicht im Arbeitsmarkt integriert sind, rangiert Österreich weit hinten. Auch dafür sei das schwache Betreuungsangebot der Hauptgrund, so die AK.
TEILZEITARBEIT BIRGT ZAHLREICHE FALLEN.
Die überaus hohe Teilzeitquote bringt für die Frauen massive Nachteile mit sich. Allerdings war das bisher kein Grund, am System zu rütteln. Nun aber bringen die standortbedrohenden Mitarbeitermangelszenarien eine gewisse Dynamik in den Gleichstellungs- und Gechlechtergerechtigkeitsrückstand. Kinderbetreuung und Teilzeit sind zwei wichtige Stellschrauben, wenngleich noch nicht klar ist, in welche Richtung sie gedreht werden.

Die Teilzeitdiskussion spitzte sich im Frühjahr 2026 gleich mehrfach zu. Die Bundesregierung hat in ihrem Doppelbudget unter anderem geplant, Niedrigverdiener:innen und Teilzeitbeschäftigte mit höheren Arbeitslosenversicherungsbeträgen an der Konsolidierung der Budgets „mitarbeiten“ zu lassen. Leonore Gewessler, Klubobfrau der Grünen, fand dafür scharfe Worte: „Dieses Budget ist in Zahlen gegossene Ungerechtigkeit. Der große Brocken – nämlich über eine Milliarde – den wird die Mitte der Gesellschaft zahlen müssen. Allen voran die Frauen, die neben der Kinderbetreuung noch Teilzeit arbeiten.“ Im Mai hatte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) im Einklang mit AK-Präsidentin Renate Anderl ankündigt, das Recht auf Stundenaufstockung für Teilzeitarbeitende gesetzlich verankern zu wollen.
WKO-Generalsekretär Jochen Danninger hingegen bezeichnete diesen Rechtsanspruch als „absolut falschen Weg“, forderte Anreize, um die Vollarbeitszeit attraktiver zu machen, und betonte: „Für viele Eltern wird Vollzeitarbeit erst durch ausreichende Kinderbetreuungsangebote möglich. Hier braucht es weitere konsequente Schritte, um den Eltern echte Wahlfreiheit zu ermöglichen.“
KOMPLEXES GEFLECHT RUND UM DIE KINDERBETREUUNG
Zum Ausbau der Kinderbetreuungsangebote herrscht erstaunliche Einigkeit über die Grenzen von Parteien oder Interessenvertretungen hinweg. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hatte Anfang Mai 2026 in der ORF-Pressestunde erneut bekräftigt, einheitliche Qualitätsstandards in der Elementarpädagogik beziehungsweise in Österreichs Kinderbetreuungseinrichtungen gesetzlich verankern zu wollen. Die Sicherung dieser Standards ist ein Hauptthema der im Rahmen der Reformpartnerschaft – bestehend aus Bund, Ländern und Gemeinden – werkelnden Arbeitsgruppe Elementarpädagogik.

„FÜR VIELE ELTERN WIRD VOLLZEITARBEIT ERST DURCH AUSREICHENDE KINDERBETREUUNGSANGEBOTE MÖGLICH.“, Jochen Danninger, Generalsekretär der WKO
„Gerade in der Elementarpädagogik ist es zu begrüßen, dass strukturelle Fragen aufgegriffen werden. Mit den im Doppelbudget 2027/28 zusätzlich vorgesehenen 340 Millionen Euro für den Bildungsbereich eröffnet sich die Möglichkeit, zentrale Reformen tatsächlich anzugehen“, zeigte sich die Industriellenvereinigung in einer Aussendung erfreut über Minister Wiederkehrs Pläne. An deren Umsetzbarkeit zweifeln jedoch manche Ländervertreterinnen und Kommunalpolitiker, denn ihnen fehlen schlicht die Mittel dafür.
Das sogenannte Kindergarten- und Hortwesen, zu denen alle institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen zählen, wird gemäß Bundesverfassung in Gesetzgebung und Vollzug zwar den Ländern zugeordnet, doch diese haben wiederum die Gemeinden mit wesentlichen Teilen der Umsetzung betraut. Die Kommunen sind überwiegend Trägerinnen von institutionellen Kinderbildungsund -betreuungseinrichtungen.
Dann sind da noch die Barcelona-Ziele, mit denen die Europäische Union im Jahr 2002 politische Vorgaben für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Förderung der Gleichstellung sowie die Erleichterung der Erwerbsbeteiligung von Frauen formulierte. Die darin genannten Betreuungsquoten wurden erst 2022 überarbeitet. Österreich zählt zu den Ländern, die hinterherhinkten und bekam von der EU eine neue Zielvorgabe von 38 Prozent bis 2030 gestellt.
„Es redet keiner mehr von Ausbau, also von quantitativem Ausbau“, sagt Karoline Mitterer zum Status quo und hält zur Kostenlawine fest: „Das Gebäude hinzustellen, geht noch einfacher, als dann das Personal über Jahre auszufinanzieren. Die Gemeinden haben Riesenprobleme im laufenden Betrieb. Deswegen zögern natürlich viele, neue Einrichtungen zu schaffen, weil sie dann den laufenden Betrieb nicht stemmen können.“ Schon im Finanzausgleich 2024 wurde geregelt, dass die Gemeinden die für die Kinderbetreuung zweckgebundenen Mittel sowohl für Investitionen als auch für den laufenden Betrieb verwenden können. Sind die Kassen der Kommunen klamm, fließt das knappe Budget eher in die Erhaltung denn in den Neubau.
TROTZ KINDERBETREUUNGSOFFENSIVE: ADIOS BARCELONA!
Nicht zuletzt sollten mit der „Kinderbetreuungsoffensive“ aus den Jahren 2023/2024, mit der von 2024 bis 2030 4,5 Milliarden Euro „in den Ausbau und die Qualität der Kinderbetreuung und Kinderbildung in ganz Österreich“ investiert werden soll, eine „echte Wahlfreiheit für alle Familien“ und auch die Vorgaben der Barcelona-Ziele erreicht werden. Seit 2024 werden vom Bund über den im Finanzausgleichsgesetz 2024 geregelten Zukunftsfonds weitere Mittel in der Höhe von 500 Millionen Euro für Länder und Gemeinden zur Verfügung gestellt. Damit werden allerdings nur einzelne Löcher gestopft, nicht aber die immer größer werdenden Lücken geschlossen, die auch aufgrund der steigenden Personalkosten immer größer werden. Die finanzielle Matrix, die hinter dem elementaren Zukunftsschlüssel steckt, bleibt höchst komplex. Doch die Finanzierungsfrage rund um die Elementarpädagogik muss geklärt werden. Es geht um die Zukunft des Landes.

„Das Schlagwort lautet jetzt Reformpartnerschaft. Man wird abwarten müssen, in welche Richtung das geht“, sagt Karoline Mitterer. Raschen Handlungsbedarf sieht sie bei der sauberen Trennung der Ziele, sodass Investitionen in die Gebäude-Hardware und jene in den laufenden Betrieb mit gesonderten Instrumenten geregelt werden. Mitterer: „Ich habe schon Zeichen gesehen, dass die Reformpartnerschaft grundlegend über die Finanzierung nachdenkt, hier auch entflechten und besser bündeln möchte. Das wäre natürlich eine positive Entwicklung.“
Weil die Wirkkraft einer alltagstauglichen und lebensnahen Kinderbetreuung auf die Bildungschancen der Kinder, die angemessene Teilhabe der Frauen am Erwerbsleben, die Situation der Fachkräfte und Mitarbeiter:innen in den Unternehmen und die Zukunft des Wirtschaftsstandortes ausstrahlt, wecken die Signale aus der Reformpartnerschaft Hoffnung. Hoffnung, dass die Potenziale gehoben werden und nicht in der größer und komplexer werdenden Finanzierungslücke untergehen.
Keine leichte Aufgabe. Denn trotz sinkender Geburtenraten ist Österreichs Bevölkerung seit dem Jahr 2000 um rund 1,2 Millionen Menschen gewachsen. Diese Entwicklung stellt das gesamte Bildungswesen inklusive der Elementarpädagogik vor neue Herausforderungen.
Die Herausforderungen
Die Elementarpädagogik steht finanziell in den nächsten Jahren vor drei großen Herausforderungen: Erstens klafft durch die Teuerung die Einnahmen-Ausgaben-Schere weiter auseinander. So steigen die Personalausgaben stärker als die Elternbeiträge sowie die Zuschüsse des Bundes und der Länder. Die verbleibende Finanzierungslücke wird immer größer. Zweitens bestehen in vielen Bundesländern neue gesetzliche Vorgaben, die eine Qualitätssteigerung bewirken sollen. Dies betrifft vor allem die Reduktion der Gruppengrößen in den Betreuungseinrichtungen, wodurch zusätzliches Personal und die Schaffung erweiterter Räumlichkeiten notwendig sind.
Hinzu kommen in mehreren Bundesländern Die Herausforderungen Vorgaben betreffend Gratisangebote oder eine reduzierte Einhebung von Elternbeiträgen. Drittens wird über nationale Ausbauziele zur Steigerung der Betreuungsquoten die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze gefördert. Bereits mit den Art. 15a-Vereinbarungen erfolgte eine Orientierung an den Barcelona- Zielen (mind. 90 Prozent der 3- bis 5-Jährigen und mind. 33 Prozent der unter 3-Jährigen sollen einen Kinderbetreuungsplatz haben). Mit dem FAG 2024 wurde die Zielquote bei den unter 3-Jährigen auf 38 Prozent erhöht. Überschattet wird dies noch zusätzlich durch die Personalknappheit.
Quelle: Quo vadis elementare Bildung?, www.kdz.eu