Austria: Zero Points!
Österreich geht es nicht gut. Das Land verfügt zwar im internationalen Vergleich über eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme der Welt, auch bei der Versorgungsdichte liegt Österreich in diversen Rankings immer wieder im Spitzenfeld. Doch wenn es um die Gesundheit von Frau Österreicherin und Herrn Österreicher geht, schaut es mitunter düster aus. Um nicht zu sagen: zappenduster. Österreich hat das zweitteuerste Gesundheitssystem der Europäischen Union. Doch beim Vergleich verschiedenster Gesundheitsfaktoren schneidet die Alpenrepublik mitunter desaströs ab. Auch bei der Lebenserwartung liegen Herr und Frau Österreich nur im Mittelfeld.
Denn mitunter sieht es im medizinischen Vorzeigeland Österreich zu Themen wie Gesundheitsprävention und -bewusstsein, Ernährungspolitik und Bewegungsprogrammen oder dem Bewusstmachen der Risiken von Alkohol und Tabak eher schlecht aus. Besonders schlecht sogar, zieht man die Ergebnisse des Ende 2025 publizierten Public Health Index 2025 (PHI) heran.
Der vom AOK-Bundesverband Deutschland und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) publizierte Report vergleicht erstmals die Präventionspolitiken von 18 Ländern aus Zentral- und Nordeuropa. Im Mittelpunkt stehen die Handlungsfelder Tabak, Alkohol, Ernährung und Bewegung. Sie gelten als die zentralen Risikofaktoren für chronische Erkrankungen wie Krebs, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden.
ERSCHRECKENDES ERGEBNIS: DACH-RAUM IST SCHLUSSLICHT.
Tiefrot erscheinen Balken und Grafiken im PHI, wenn Daten und Fakten für Österreich ausgewiesen werden. Das verheißt nichts Gutes. Österreich landet in allen vier Kategorien im unteren Feld der Rankings. In der Kategorie „Ernährungspolitik“ sogar auf dem letzten Platz – mit null von möglichen 25 Punkten. Nicht besser sieht es allerdings bei unseren Nachbarn aus. Einträchtig platzieren sich Deutschland und die Schweiz im österreichischen Umfeld.
„Eine Auffälligkeit im vorliegenden Ergebnis des PHI ist das schlechte Abschneiden des DACH-Raums mit Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Länder schaffen es in keinem der Handlungsfelder in das obere Mittelfeld und belegen dementsprechend die hinteren Ränge im Gesamtranking“, halten die PHI-Autoren fest. Im Gegensatz dazu schneiden Großbritannien und Irland sowie die skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Finnland überproportional gut ab. Nur Dänemark hinkt unter den Nordländern etwas hinterher.

Laut dem AOK-Report gibt Deutschland mit 5.317 Euro pro Kopf mehr Geld für die Gesundheitsversorgung aus als jedes andere Land in der EU. Österreich liegt mit 4.745 Euro unmittelbar dahinter auf Platz 2. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2022. Der EU-Durchschnittswert beträgt 3.533 Euro.
Auch gemessen an der Wirtschaftsleistung ist Deutschland Spitzenreiter: Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt beträgt 12,6 Prozent, in Österreich sind es 11,7 Prozent. Doch gemessen an der Lebenserwartung rentiert sich dieses Investment nicht: Diese liegt in Deutschland im Schnitt bei 81,1 Jahren, in Österreich bei 81,9 und im EU-Schnitt bei 81,4 Jahren.

ÖFFENTLICHER ANTEIL BEI GESUNDHEITSAUSGABEN SINKT.
Dabei gilt das Gesundheitssystem hierzulande als besonders leistungsfähig, und mit 5,4 Ärzt:innen pro 1.000 Einwohner:innen ist auch die Versorgungsdichte extrem hoch. Auch Österreichs Gesundheitsausgaben gelten im internationalen Vergleich als sehr hoch – und sie steigen weiter massiv. Laut Statistik Austria stiegen die laufenden Gesundheitsausgaben in Österreich 2024 um satte 8,3 Prozent auf 57,8 Milliarden Euro. Der öffentliche Anteil daran lag bei 75,7 Prozent, sank aber gegenüber 2023 um 0,4 Prozentpunkte. Statistik Austria berechnet die Gesundheitsausgaben nach Gesundheitsleistungen und -gütern, Finanzierungssystemen und Leistungserbringern; als Quellen dienen unter anderem Rechnungsabschlüsse der Gebietskörperschaften und die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.
„Prävention ist nicht nur Privatsache oder eine Frage der Eigenverantwortung, sondern muss politisch umfassend betrachtet werden. Eine gesündere Bevölkerung lässt sich nicht allein auf der individuellen Verhaltensebene erreichen“, kommentiert Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, die PHI-Ergebnisse.
Der nächste Public Health Index ist für das Jahr 2027 geplant. In der Zwischenzeit könnten Vorsorgeprogramme und Präventionsaktivitäten anlaufen. Möglicherweise geht es Österreich, den Österreicherinnen und Österreichern dann schon etwas besser.