Public Logo
in Kontakt mit ganz Österreich. mehr Wirtschaft. mehr Politik. mehr Service.

Nur Bares ist Wahres

 

Bargeld bleibt für das Funktionieren und Zusammenleben in den österreichischen Gemeinden systemrelevant. Es spielt aber auch für die lokale Wirtschaft, für Vereine und ihre Veranstaltungen eine zentrale Rolle. Doch der Versorgungsgrad mit barer Münze und knisternden Scheinen sinkt. 

VON ALBERT SACHS

 

Österreichs Gemeinden geht das Geld aus. Damit ist nicht die angespannte budgetäre Situation gemeint, sondern die lokale Versorgung mit Bargeld. In 36 Prozent der Gemeinden gibt es mittlerweile keine eigene Bankfiliale mehr, in 15 Prozent nicht einmal mehr einen Bankomat. Das geht aus der aktuellen Studie „Bargeldversorgung in den Gemeinden“ hervor, die vom Institut Pitters Trendexpert im Auftrag von Geldservice Austria (GSA) durchgeführt wurde. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass Bargeld in den Gemeinden weiterhin einen hohen Stellenwert hat, gleichzeitig aber nicht überall dieselben infrastrukturellen Voraussetzungen bestehen. Besonders sichtbar wird der Handlungsbedarf beim Zugang zu Bankfilialen und Geldausgabegeräten sowie bei der langfristigen Absicherung einer verlässlichen Bargeldversorgung“, fassen Auftraggeber und Studienautoren die Ergebnisse zusammen.

 

BARGELD EIN SCHLÜSSELTHEMA. Als größte Hindernisse für die lokale Bargeldversorgung nennen die Befragten – insgesamt nahmen 205 Entscheidungsträger:innen wie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Amtsleiter an der Studie zum Thema Bargeld teil – dann auch die Schließung von Bankfilialen und den Abbau von Geldautomaten. Mehr als 40 Prozent der Befragten sehen in der Bargeldversorgung ein Schlüsselthema für die Zukunft ihrer Gemeinde. 44 Prozent halten den Zugang zu Bargeld für „sehr wichtig“, immerhin weitere 34 Prozent stufen die Versorgung mit Bargeld als „eher wichtig“ ein. Nur ein Prozent meint, diese sei „sehr unwichtig“. Und 57 Prozent der Umfrage-Teilnehmer:innen würden es als „problematisch“ einstufen, sollten in ihren Gemeinden künftig Bankfilialen geschlossen werden.

 

„Bargeld ist weit mehr als ein unverzichtbarer Teil unserer hybriden Zahlungslandschaft. Als derzeit einziges gesetzliches Zahlungsmittel ist es ein wichtiger Faktor für die lokale Wirtschaft“, erklärt Gerhard Gierer, Geschäftsführer der GSA, einer Tochtergesellschaft der Oesterreichischen Nationalbank. „Bargeld garantiert, dass 100 Prozent der Wertschöpfung in der Region und damit im österreichischen Wirtschaftskreislauf bleiben – ein Faktor, der gerade für unsere Gemeinden von enormer Bedeutung ist. Mit unserer aktuellen Umfrage haben wir erhoben, wo auf kommunaler Ebene konkreter Handlungsbedarf bei der Bargeldver- und -entsorgung besteht.“

 

 

Pressefruehstueck_Diskutanten mit Moderatorin┬®Christian Husar.jpg
Gerhard Gierer (GSA), Harald Pitters (Studienautor), Matthias Schroth (OeNB),Julia Pitters (Studienautorin) und Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl (v.li.)

 

 

„Es kann immer besser sein“, erklärt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl zum Versorgungsgrad der Kommunen mit Bankomaten, zeigt sich aber mit dem Wert von 85 Prozent grundsätzlich zufrieden. „Der Gemeindebund hat bei der Bargeldversorgung in den vergangenen Jahren konkrete Fortschritte erreicht: Wir haben gemeinsam mit den Banken die bestehenden Bankomatstandorte bis Ende 2029 abgesichert und danach mit der Oesterreichischen Nationalbank die Initiative für bis zu 120 zusätzliche Geldausgabegeräte in bisher unterversorgten Gemeinden auf den Weg gebracht. 73 davon sind bereits in Betrieb. Für uns ist klar: Bargeld ist Teil einer verlässlichen Daseinsvorsorge und sichert die Wahlfreiheit der Menschen.“

 

BEZAHLEN FÜR DEN GELDAUTOMAT. Immerhin rund 8.300 Bankomaten, die von der GSA im Auftrag der österreichischen Banken serviciert werden, gibt es quer durch die Republik verteilt. Dazu gesellen sich jene Geräte, die von privaten Betreibern aufgestellt werden. In der Vergangenheit zahlten Gemeinden, oft in Kooperation mit dem Tourismusverband und lokalen Unternehmen, sogar dafür, dass in ihrem Ort ein privater Geldausgabeautomat
aufgestellt wird. Angesichts des Memorandums, das den aktuellen Stand fixiert und neue Bankomat-Standorte verspricht, habe sich dieser Trend laut Pressl deutlich abgeschwächt. 

 

Die gesetzliche Absicherung eines flächendeckenden Bankomat-Netzes bewerten 66 Prozent der Befragten als „sehr wichtig“, weitere 29 Prozent als „eher wichtig“. Doch in den Gemeindestuben selbst ist das Bankomat-Zeitalter noch immer nicht großflächig angekommen. Auf unter 50 Prozent schätzt Pressl den Anteil jener Kommunen ein, die diese Form des bargeldlosen Bezahlens anbieten. 

 

Die Bedeutung von Bargeld wird hingegen, ergibt die GSA-Studie, besonders im regionalen Alltag der Gemeinden deutlich: 98 Prozent halten Bargeld für Vereine, Märkte und Veranstaltungen für unverzichtbar, 89 Prozent finden Bargeld für lokale Klein- und Mittelbetriebe für wirtschaftlich bedeutsam. „Für uns ist das Bargeld der Schmierstoff in der lokalen Wirtschaft“, kommen- tiert Pressl und fordert, dass Länder und Bund die gesetzlichen Grundlagen schaffen, um auch in Zukunft überall mit Barem bezahlen zu können. Pressl: „Allerdings ist die Wahlfreiheit für uns als Gemeinden ein Grundprinzip, für uns gibt es bei der Form des Bezahlens kein ,Entweder-oder‘, sondern nur ein ,Sowohl-als-auch‘.“ 

 

 

Mehr als ein Drittel ohne Bankfiliale.png

 

 

15% der Gemeinden ohne Bankomaten.png

 

 

Wobei nicht nur die Versorgung mit Bargeld und damit oft auch mit Wechselgeld der entscheidende Faktor ist, sondern mitunter der Aufbewahrung und dem Abtransport der Barschaft nach Geschäftsschluss oder am Ende von Veranstaltungen noch mehr Bedeutung zukommt. „Der Wunsch nach sicherer Bargeldver- und -entsorgung ist in den Gemeinden präsenter denn je“, weiß GSA-Chef Gierer, „Jede dritte Gemeinde hat ein Problem bei der Wechselgeldversorgung, jede fünfte bei der Bargeldentsorgung.“ Die GSA habe und arbeite an entsprechenden Lösungen für die Gemeinden. Zu alldem werden laut der Studie weitere Vorzüge von Münzen und Banknoten ins Spiel gebracht: 87 Prozent sehen Bargeld als wichtige Alternative bei möglichen Cyberattacken und ebenso viele als besonders wichtig für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen. Außerdem wird eine funktionierende Bargeldversorgung insbesondere für ältere Menschen und zur Absicherung bei Ausfällen digitaler Zahlungssysteme als essenziell beurteilt. Auch die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Vermittlung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Geld an Kinder und Jugendliche werden als relevante Funktionen gesehen.

 

„Ich mach mir keine Sorgen um das Bargeld als Bezahlform, wir brauchen es in unserem Alltag einfach“, resümiert der Gemeindebund-Chef. Pressl weiter: „Aber wir verschließen auch vor neuen, digitalen Formen des Bezahlens nicht die Augen.“

 

BARGELD IST EINZIGE GESETZLICHE ZAHLUNGSMITTEL. Die Studienergebnisse und die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Zahlungsformen wählen zu können, seien ein klarer Handlungsauftrag, meint abschließend Matthias Schroth, Direktor der Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB): „Euro-Bargeld verbindet Wahlfreiheit mit europäischer Souveränität. Es ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, das durch und durch europäisch ist und dessen gesamte Wertschöpfungskette in Europa verankert ist. Wer Wahlfreiheit und damit Unabhängigkeit beim Bezahlen erhalten will, braucht auch in Zukunft ein starkes Bargeld. Das sicherzustellen, bleibt ein zentrales An- liegen der OeNB.“