„Wir bringen digitale Kompetenzen in die Breite“
Die Digitale Kompetenoffensive des Bundeskanzleramts setzt in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz. Die Initiative bringt digitale Kompetenzen in alle Gemeinden und setzt neue Standards in der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen und privaten Akteuren. public sprach mit den Programmverantwortlichen Heidrun Strohmeyer und Wolfgang Wisek über Erfolgsprinzipien und Ziele.
public: Frau Strohmeyer, Herr Wisek, geben Sie uns bitte einen kurzen Einblick, welche Ziele hinter der Digitalen Kompetenzoffensive, kurz DKO, stecken. Was macht diese Initiative so besonders?
Heidrun Strohmeyer: Wir ermöglichen mit der DKO in ganz Österreich einen niederschwelligen Zugang zu digitalen Grundkompetenzen. Im Rahmen der Digitalen Kompetenzoffensive wurden bereits annähernd 6.000 kostenlose „Digital Überall“-Workshops für bisher rund 58.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in allen Bezirken und in mehr als 900 Gemeinden und Städten abgehalten. Wir kooperieren dabei mit mehr als 70 Bildungseinrichtungen. Die „Digital Überall“-Workshops bringen Wissen zu Themen, die für unterschiedliche Gruppen im Alltag wichtig sind: digitale Seniorinnen- und Seniorenbildung, Sicherheit im Internet, digitale Amtswege, Leben mit zunehmender Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Wolfgang Wisek: Besonders an der Digitalen Kompetenzoffensive ist auch ihr ressort- und bereichsübergreifendes Umsetzungskonzept. Sie wird vom Bundeskanzleramt, dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, dem Bundesministerium für Bildung, dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, dem Bundesministerium für Finanzen und dem Bundesministerium für Medien, Wohnen, Kunst, Kultur und Sport gemeinsam mit den Ländern, Sozialpartnern sowie Stakeholdern aus Wirtschaft und Erwachsenenbildung umgesetzt. Die Kompetenzoffensive basiert auf einer gemeinsam erarbeiteten Strategie, die in einem bundesweiten Dialogprozess mit mehr als 500 Fachleuten und Stakeholdern aus 80 Institutionen entwickelt wurde.

WURDE DAS PROGRAMM NICHT AUCH BEREITS MEHRFACH INTERNATIONAL AUSGEZEICHNET?
Strohmeyer: Die Kompetenzoffensive orientiert sich natürlich an der „Digitalen Dekade“ der EU. Ziel der Europäischen Kommission ist, dass mindestens 80 Prozent der 16- bis 74-jährigen Bevölkerung in den EU-Mitgliedstaaten bis 2030 über zumindest grundlegende digitale Kenntnisse verfügen sollen. Die Digitale Kompetenzoffensive koordiniert nationale Maßnahmen zur Zielerreichung. Sie verfügt über eine eigene Geschäftsstelle im OeAD, Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung. Mit ihrer Konzeption und kollaborativen Umsetzung ist die Digitale Kompetenzoffensive auch eine Verwaltungsinnovation. Wir wurden dafür beim 23. eGovernment-Wettbewerb von BearingPoint und Cisco mit Platz 1 in der Kategorie Verwaltungstransformation und vor Kurzem mit dem „European Digital Skills Award“ der Europäischen Kommission ausgezeichnet.
WIE FUNKTIONIERT DIE ZUSAMMENARBEIT MIT DEN GEMEINDEN?
Wisek: Sehr gut, wir kooperieren natürlich auch mit dem Gemeinde- und Städtebund. Viele Gemeinden haben schon „Digi-Dolmetscher“ eingerichtet, um sicher und einfach zu den Angeboten der Digitalen Kompetenzoffensive zu kommen. Jede Gemeinde mit „Digi-Dolmetscher“ sorgt dafür, dass unsere Angebote die richtigen Zielgruppen vor Ort erreichen.

WAS HAT DIE DIGITALE KOMPETENZOFFENSIVE BISHER BEWIRKT?
Wisek: Österreich erreicht im aktuellen Eurostat Digital Skills Indicator erstmals Platz 7 im EU-Vergleich. Konkret verfügen aktuell rund 70 Prozent der 16- bis 74-Jährigen über zumindest grundlegende digitale Kompetenzen. Wir liegen damit rund zehn Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt von 60,4 Prozent. Österreich gehört damit zur Gruppe jener EU-Staaten mit überdurchschnittlich hohen digitalen Grundkompetenzen. Unser Aufstieg in die EU-Spitzengruppe zeigt, dass die gebündelten Maßnahmen der Digitalen Kompetenzoffensive wirken.
Strohmeyer: Wichtig ist auch: Mit der Digitalen Kompetenzoffensive bieten wir erstmals in Österreich eine verlässliche „Währung“ für digitale Kompetenzen. Der Nationale Referenzrahmen für digitale Kompetenzen mit dem österreichischen Modell für digitale Kompetenzen „DigComp 2.3 AT“ bringt Transparenz, Vergleichbarkeit und Orientierung. Davon profitieren alle Beteiligten: Menschen, die ihre digitalen Kompetenzen verbessern wollen, Bildungsanbieter, Unternehmen, Institutionen und Interessenvertretungen.
DIE DIGITALE KOMPETENZOFFENSIVE SETZT HEUER EINEN SCHWERPUNKT AUF KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – WAS GENAU ERWARTEN SIE SICH DAVON?
Strohmeyer: Wir verfolgen drei große Ziele: die KI-Basiskompetenzen in der Bevölkerung zu steigern, die Anzahl der KI-Expertinnen und KI-Experten zu erhöhen sowie eine starke und breite Community rund um KI-Kompetenzen in Österreich zu etablieren. Auf Basis eines umfassenden Aktionsplans für KI-Kompetenzen werden wir wieder Stakeholder vom Bund über die Länder bis zu Initiativen und Unternehmen bündeln. Es wird mehr „Digital Überall“-Workshops zum Schwerpunktthema KI geben, ein Basiscurriculum zu KI-Kompetenzen und mit „She goes AI“ auch eine Regierungsinitiative zur Stärkung von Frauen in der KI. Untersuchungen zeigen, dass Frauen ihr KI-Wissen geringer einschätzen und auch weniger Interesse daran haben. „She goes AI“ wird auch in der öffentlichen Verwaltung KI-Kompetenzen unterstützen.
Wisek: Mit mehr KI-Kompetenzen sorgen wir dafür, dass ganz Österreich die neuen Möglichkeiten in Bildung, Beruf und Alltag erfolgreich nutzen kann. Mehr KI-Kompetenz und Reflexionsfähigkeit machen für eine bessere Zukunft den entscheidenden Unterschied – im Alltag, in der Wirtschaft und in der Verwaltung.
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Digitale Kompetenzoffensive
